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Interview mit Lennart Güntzel, Bibliotheksreferendar an der UB Freiburg

 

Interviewt von Sebastian Thiele, Januar 2010
Weblink: Universitätsbibliothek Freiburg

 

Lebenslauf

Studium
12/2008 Promotion am Arye Maimon-Institut (Universität Trier)
09/2008 Zusatzqualifikation Zertifikat Deutsch als Fremdsprache

04/2002 - 04/2005 Studium der Geschichte und der Spanischen Philologie an der Universität Trier
09/2001 - 03/2002 Auslandssemester an der Universidad de Cádiz, Spanien
10/1999 - 08/2001 Studium an der Universität Hamburg mit den Hauptfächern Geschichte und Spanische Philologie

Berufserfahrung
seit 10/2009 Bibliotheksreferendar für den höheren Dienst an Wissenschaftlichen Bibliotheken an der Universitätsbibliothek Freiburg

02/2009 - 09/2009 Akademischer Mitarbeiter im DFG-Projekt zur Digitalisierung der deutschsprachigen Palatina-Handschriften der Universitätsbibliothek Heidelberg

07/2005 - 12/2008 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arye Maimon-Institut der Universität Trier Projektarbeit „Achsenzeiten jüdischer Geschichte während des späten Mittelalters in westeuropäischen Zusammenhängen" im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 1173 „Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter"

Dissertation zum Thema: Beziehungen der Juden zu Rudolf von Habsburg (1273-1291) und weiterer Herrschaftsträger des Reichs in vergleichender westeuropäischer Perspektive

Weitere Berufserfahrung
06/2003 - 06/2005 Wissenschaftliche Hilfskraft am Arye Maimon-Institut

03/2004 - 05/2004 Archivpraktikum im Archivo General del Estado de Yucatán in Mérida, Mexiko

04/2003 - 05/2003 Redaktionspraktikum im Jahreszeitenverlag in Hamburg

 

Sie hatten 1999 ein Geschichtsstudium an der Universität Hamburg aufgenommen. Wie kam es zu dieser Studienfachwahl? Welche Erfahrungen haben Ihre Kommilitonen gemacht?

Ich habe Geschichte und Spanisch mit dem Ziel studiert, Journalist zu werden. Am Ende ist es aber nicht so gekommen, da ich u.a. durch ein Praktikum vom Berufsfeld Journalismus abgekommen bin.

Die Hälfte meiner Kommilitonen studierte auf Lehramt. Die anderen Magisterstudenten hatten Geschichte primär aus persönlichem Interesse studiert und haben heute meist eine befristete Stelle. Viele haben während des Studiums die Qualifikation „Deutsch als Fremdsprache" erworben und können daher Deutsch-Sprachkurse anbieten. Allen Magisterstudenten war bewusst, worauf sie sich eingelassen haben. Ein möglichst hohes Jahresgehalt steht für sie auch nicht im Vordergrund. Nur eine kleine Minderheit arbeitet heute in der privaten Wirtschaft.

Wie blicken Sie heute auf Ihr Studium zurück; was würden Sie heute anders machen?

Ich hatte etwas naive Vorstellungen über das Studium einer Sprache an einer Universität. Für mich bestand das Ziel darin, möglichst perfekt Spanisch zu lernen. An der Universität ist das Lernen einer Sprache aber nicht das eigentliche Ziel, sondern lediglich ein Mittel, um auf andere Aspekte eingehen zu können.

Geschichte habe ich mit Leidenschaft studiert und würde daher das Fach auf jeden Fall beibehalten. Neu dazu wählen würde ich ein wirtschaftswissenschaftliches Nebenfach. Als Bibliotheksreferendar sind betriebswirtschaftliche Kenntnisse zwar nicht unabdingbar. In anderen Arbeitsfeldern für Geisteswissenschaftler, wie im Kulturmanagement, können wirtschaftliche Grundkenntnisse aber eine große Rolle spielen.

Sie haben Ihre Promotion kürzlich abgeschlossen. Welche Erfahrungen haben Sie in der Promotionsphase gemacht?

Gut war, dass ich an einem Forschungsinstitut promovieren konnte. Dort hatte ich einen festen Arbeitsplatz und stand mit anderen Doktoranden in ständigem Austausch, was ich rückblickend als sehr wertvoll einschätze. Zudem war ich finanziell durch eine halbe Stelle abgesichert. Zwei Arbeitskollegen hatten auch unmittelbar vom engen Kontakt zu meinem Doktorvater profitiert. Für ihren neu gegründeten Verlag ermöglichte er ihnen die Herausgabe einer wissenschaftlichen Publikationsreihe.

Während der Promotionsphase muss man allerdings auch ein hohes Maß an Frustrationstoleranz aufbringen. Es bringt aber meines Erachtens wenig, eine Promotion zwar perfekt abzuschließen, dafür aber einen Zeitraum von sechs bis acht Jahren in Anspruch zu nehmen.

Welche Faktoren waren Ihrer Ansicht nach ausschlaggebend, dass Sie die Zusage für die Stelle als Bibliotheksreferendar an der UB Freiburg erhalten hatten?

Zum Bewerbungstermin war meine Promotion abgeschlossen. Damit konnte ich mich von Bewerbern abgrenzen, die sich (um die Altersgrenze für das Bibliotheksreferendariat einzuhalten) bereits in der Endphase der Promotion um die Stelle beworben hatten. Ein weiterer Faktor war der Umstand, dass ich mich in einem früheren Projekt intensiv mit Handschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit auseinandergesetzt hatte. Diese Kenntnisse sind jetzt relevant für meine Arbeit in der Universitätsbibliothek.

Wie schätzen Sie Ihre beruflichen Aussichten ein?

Als Bibliotheksreferendar bereite ich mich in erster Linie für eine Tätigkeit im Fachreferat einer wissenschaftlichen Bibliothek vor. Hier rechne ich mir mittelfristig sehr gute Chancen aus, da der Kreis meiner Mitbewerber relativ überschaubar ist. Ein weiteres Arbeitsfeld würde mir im Bereich Informationsmanagement zur Verfügung stehen.

Welchen grundsätzlichen Rat würden Sie einem Geschichtsstudenten heute mit auf den Weg geben?

Ich rate jedem Geschichtsstudent, schon möglichst während des Studiums die Weichen für den späteren Berufseintritt zu stellen. Wer in der Wirtschaft arbeiten will, sollte dies mit studienbegleitenden Praktika vorbereiten. Allgemein halte ich Praktika, das Lernen von Fremdsprachen sowie Auslandsaufenthalte für sehr weiterführend im Hinblick auf den Berufseinstieg.

Welches war das letzte historische Buch, das Sie gelesen haben?

Ich lese jetzt Krimis. Meine historischen Fachkenntnisse haben mir die Lust an historischen Romanen genommen; ausgenommen sind davon aber die Romane von Umberto Eco.

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