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Interview mit Dr. Imke Sturm-Martin, Dozentin für berufspraktische Vorbereitung am Historischen Seminar der Universität Köln


Interviewt von Sebastian Thiele, Februar 2010
Weblink: Historisches Seminar I der Universität Köln


Sie befassen sich am Historischen Seminar der Universität Köln mit dem Thema Karriere- und Berufsberatung für Historiker. Welche Angebote machen Sie an die Kölner Studierenden und welche Ziele verfolgen Sie dabei?

Am Historischen Seminar in Köln haben alle Studierenden die Chance, sich schon während des Studiums umfassend über ihre beruflichen Möglichkeiten zu informieren. In jedem Semester gibt es mehr als sechs Lehrveranstaltungen allein zum Thema Berufsorientierung. Darüber hinaus berichten in Gastvorträgen Absolventen über ihre Karrierewege und die Berufspraxis in verschiedenen Bereichen. Ich unterstütze die Studierenden bei der Suche nach Praktikumsplätzen und biete auch eine individuelle Beratung zum Themenkomplex Berufsorientierung an.

Hintergrund dieser umfangreichen Tätigkeiten ist die Bachelor-Studienordnung am Historischen Seminar der Universität Köln, die eine intensivere Praxis- und Berufsorientierung im Studienverlauf vorsieht. Die Studierenden müssen zum Beispiel ein Praktikum absolvieren, für das Credit Points vergeben werden.

Hat das Thema Berufsberatung auch an anderen Historischen Seminaren in Deutschland einen ähnlichen Stellenwert wie in Köln?

Das Historische Seminar der Universität Köln hat in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle, im deutschen Vergleich finden sich momentan nur sehr wenige andere historische Institute mit dieser Ausstattung. Mein Eindruck ist aber, dass sich in den nächsten zwei Jahren sehr viel ändern und das Thema Berufsberatung allgemein einen höheren Stellenwert haben wird.

Was sind typische Fragen von Studierenden in Ihrer Beratung?

Viele Studierende zeigen sich in meiner Beratung über ihren beruflichen Werdegang noch unentschlossen. Die meisten studieren Geschichte aus Neigung und denken zu Beginn des Studiums nicht daran, wie sich die Studieninhalte später in eine Berufstätigkeit umsetzen lassen. Teilweise gibt es auch ein Informationsdefizit über mögliche Berufsfelder.

Mindestens die Hälfte aller Geschichtsstudenten arbeitet später nicht an der Schule oder an der Universität. Wo arbeiten diese Historiker?

Ein großer Teil der Absolventen arbeitet im Archivwesen und im Medienbereich. Darüber hinaus verteilen sich die Absolventen auf ganz unterschiedliche Berufsfelder. Im Großraum Köln arbeiten viele Historiker im Öffentlichen Dienst, bei Stiftungen, in der Wissenschaftsverwaltung und in Wirtschaftsarchiven größerer Unternehmen.

Würden Sie heutigen Abiturienten raten, Geschichte zu studieren?

Ich würde Abiturienten immer dazu raten, ihr Studienfach nach Interesse und Leidenschaft zu wählen, denn das bietet die größten Chancen auf Erfolg.


Welche Veränderungen haben sich im Hinblick auf die Berufschancen durch die Umstellung auf Bachelor und Master ergeben?

Darüber können zu diesem Zeitpunkt noch keine fundierten Aussagen getroffen werden. In Köln schließen die ersten BA-Absolventen jetzt erst ihr Studium ab. Die private Wirtschaft und der Öffentliche Dienst sind aber dabei, Angebote für BA-Absolventen aufzubauen. Es gibt auch schon das Modell eines frühen Berufseinstiegs bereits nach dem BA mit einer späteren Weiterqualifizierung über den MA.

Mit welchen Schwierigkeiten müssen Historiker in der Berufseintrittsphase rechnen? In welchen Bereichen bringen Historiker sehr gute Fähigkeiten mit?

Besondere Fähigkeiten besitzen Historiker bei der Informationsrecherche, bei der kritischen Bewertung und Einordnung von Quellen und ganz generell beim Umgang mit Sprache und Text. Wie für andere geisteswissenschaftliche Absolventen gilt aber auch für Historiker, dass in der Regel vor dem Universitätsgebäude kein Arbeitgeber auf sie wartet. In der Bewerbungsphase können auch Absagen und längeren Wartezeiten auftreten. Ich bin allerdings der Meinung, dass eine gute Vorbereitung des Berufseintritts und die Kenntnis der eigenen Fähigkeiten den Berufseinstieg erleichtern.

Haben Sie einen grundsätzlichen Rat für heutige Studierende?

Wichtig ist ein individuelles Profil, mit dem man sich von anderen Absolventen unterscheiden kann. Das geht zum Beispiel mit Sprachkenntnissen, einer besonderen Fächerkombination oder Zusatzqualifikationen.

Welches historische Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Richard J. Evans: The Third Reich at War. How the Nazis led Germany from Conquest to Disaster, London 2008.

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