Berufe » Berufsfelder in Wirtschaft, Politik und bei Non-Profit-Organisationen » Fundraising

Wachstumsbranche Fundraising

Autor: Sebastian Thiele
Kontakt: berufe_fuer_historiker@yahoo.de
Letzte Änderung: Mai 2010

 

"Gute Karten hat man daher mit einem "Allround-Studium", das einen auf vielfältige Aufgaben vorbereitet."

Persönliche Voraussetzungen
Ausbildungsweg und Weiterbildungsmöglichkeiten
Berufsprofil
Chancen
Weblinks & Literaturhinweise

 

Persönliche Voraussetzungen

Fundraising hat zuallererst mit Menschen und erst dann mit Geld zu tun. Das heißt, man sollte eine kontaktfreudige und sympathische Person sein, die sich nicht scheut, Menschen um Spenden zu bitten. Die ideale Fundraisingstrategie für jedes mögliche Projekt gibt es nicht - Fundraiser brauchen daher Kreativität, um stets neue Konzepte entwickeln zu können.
Fundraising erfordert eine Vielzahl unterschiedlicher Fähigkeiten und Kenntnisse: Gute Ausdrucksfähigkeit in Wort und Schrift sowie juristische und ökonomische Kenntnisse. Gute Karten hat man daher mit einem "Allround-Studium", das einen auf vielfältige Aufgaben vorbereitet. Die Fähigkeit zur Selbstorganisation und Spaß an Teamarbeit sind ebenfalls gute Voraussetzungen.
Grundsätzlich sollte zudem eine hohe Affinität zu einer Tätigkeit im Non-Profit-Bereich vorhanden sein.

Konferenz © pat fauve – Fotolia.com

Ausbildungsweg

Sobald man Interesse am Fundraising-Bereich gewonnen hat, wird man schnell feststellen, dass es einige attraktive Stellenangebote in diesem Bereich gibt. Allerdings richten sich diese zum Großteil an Personen mit mehrjähriger Berufserfahrung.

Für Historiker bietet sich daher eine zweigleisige Strategie an. Zum einen gilt es zunächst praktische Erfahrungen im Fundraising zu sammeln. Der Einstieg kann hier durchaus über das geschichtswissenschaftliche Fachwissen gelingen: Auch Archive, historische Museen, Institutionen im Denkmalschutz-Bereich, Universitäten oder Bildungsinstitute sind auf zusätzliche Mittel angewiesen, da die Zuwendungen aus der öffentlichen Hand tendenziell zurückgehen oder zumindest nicht mehr steigen werden.

Zum anderen sollten theoretische Qualifikationen im Fundraising-Bereich erworben werden. Hier hat sich insbesondere die Fundraising-Akademie in Frankfurt als anerkannte Ausbildungsinstitution durchgesetzt. In der Regel wird die dortige Ausbildung berufsbegleitend von Personen aus dem Non-Profit-Bereich absolviert, die bereits praktische Fundraising-Erfahrungen gesammelt haben oder in naher Zukunft ein größeres Fundraising-Projekt betreuen. Neben Präsenzphasen sieht die Ausbildung auch Lerneinheiten vor, die man von Zuhause aus durchführen kann. Ein weiterer Vorteil der Akademie ist, dass Kontakte zu anderen Fundraisern im deutschsprachigen Raum geknüpft werden können.

Fundraising ist stark mit der Öffentlichkeitsarbeit und dem Marketing verwandt. Wer zunächst in einem dieser Bereiche arbeitet, kann wichtige Erfahrungen sammeln, die für eine spätere Tätigkeit im Fundraising-Bereich nützlich sein können.

Weitere Ausbildungseinrichtungen: Die European Fundraising Association (EFA); die evangelische Fachhochschule Reutlingen - Ludwigsburg bietet eine Weiterbildung im Fundraising-Bereich an; die Zürcher Hochschule Winterthur hat den Diplomlehrgang "Fundraising-Management" im Angebot; am Verbandsmanagement Institut (VMI) der Universität Freiburg (Schweiz) kann ein "Diplom-Lehrgang Fundraising" absolviert werden; Die "Fund Raising School der Indiana University" veranstaltet regelmäßig in Wien Fundraising-Kurse.

Berufsprofil

Ein Fundraiser erwirbt für nicht-kommerzielle Organisationen nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch Sachwerte, Wissen, neue Ideen oder gewinnt das zeitliche Engagement ehrenamtlicher Mitarbeiter. Hauptaufgabe des Fundraisers ist es, Beziehungen zu möglichen Spendern aufzubauen und über einen langen Zeitraum zu pflegen. Im Fundraising wird gewöhnlich nicht nach Leistung, d. h. nach eingegangenem Spendenvolumen, bezahlt. Dies würde zu einem „Spenden-Strohfeuer" führen, aber einer langfristigen Bindung des Spenders an die jeweilige Organisation entgegenwirken. Weiterhin stellt Fundraising in den ersten Jahren zunächst eine finanzielle Belastung dar; erst nach einer Weile weist diese Investition positive Erträge auf.

Viele Arbeitsverträge sind zunächst zeitlich befristet, so dass man insbesondere am Anfang der beruflichen Laufbahn kaum auf eine unbefristete Stelle in diesem Bereich hoffen kann.
Um als Fundraiser erfolgreich Wirken zu können, muss man einerseits eine starke Identifikation mit dem jeweiligen Projekt aufweisen. Wie sollte man Spendengelder gewinnen, wenn man nicht selbst vom jeweiligen Projekt überzeugt ist? Zum anderen ist Fundraising kein "Betteln" um Spenden. Erfolgreiche Fundraiser sehen sich selbst als Vermittler, die die Durchführung eines Projekts überhaupt erst ermöglichen. Allerdings ist Fundraising vielfach auch Chefsache. In die Zeitung kommt z. B. der Universitätsrektor und der großzügige Stifter - nicht jedoch der Fundraising-Mitarbeiter aus der Universitätsverwaltung, der sich im Vorfeld mit allen Detailfragen beschäftigt hat.

Fundraising muss klar von Sponsoring unterschieden werden. Beim Sponsoring erwartet das Unternehmen eine eindeutige und klar umschriebene wirtschaftliche Gegenleistung. Spenden sind in Teilen steuerlich absetzbar, ziehen aber keine wirtschaftliche Geschäftsbeziehung nach sich.

Im Fundraising steht man in einem Konkurrenzverhältnis zu anderen Organisationen, die ebenfalls vom vorhandenen Spendenvolumen profitieren möchten.

Chancen

Es gibt eine konstante, wenn nicht sogar steigende Nachfrage nach gut ausgebildeten Fundraisern. Seit längerem kursiert die Erwartung, dass mittelfristig 5.000 neue Fundraiser in Deutschland eingestellt werden. Diese aus Sicht des Fundraisers positive Entwicklung lässt sich auch begründen. Im Zuge des unaufhaltsamen Sozialabbaus ziehen sich staatlich legitimierte Akteure zunehmend zurück. Dementsprechend kommen Spenden im Hinblick auf die Förderung des Gemeinwohls eine immer größere Bedeutung zu.

Weiterhin gibt es auch einige Marketingagenturen, die sich auf diesen Bereich spezialisiert haben.

Weblinks

Deutscher Fundraising Verband

European Fundraising Association (EFA)

Evangelische Fachhochschule Reutlingen - Ludwigsburg - Weiterbildung im Fundraising-Bereich

Fundraising-Akademie in Frankfurt

Fundraising.de

"Fund Raising School der Indiana University" - Kurse in Wien

Kulturmanagement Network - Stellenbörse (kostenpflichtiges Angebot)

Verbandsmanagement Institut (VMI) der Universität Freiburg (Schweiz) - "Diplom-Lehrgang Fundraising"

Swissfundraising.org - Weiterbildungsmöglichkeiten in der Schweiz

Literaturhinweise

Ciconte, Barbara Kushner; Jeanne G. Jacob: Fund raising basics: A complete guide, Gaithersburg 1997.

Connors, Tracy Daniel: The nonprofit handbook, New York 1997.

Fabisch, Nicole: Fundraising, Spenden, Sponsoring und mehr, München 2005.

Fundraising Akademie (Hrsg.): Fundraising. Ein Hanbuch für Grundlagen, Strategien und Instrumente,Wiesbaden 2003.

Grace, Kay Sprinkle: Beyond Fundraising: New strategies for nonprofit innovation and management, New York 1997.

Haibach, Marita: Handbuch Fundraising - Spenden, Sponsoring, Stiftungen in der Praxis, Fankfurt 2003.

Haibach, Martia: Hochschul-Fundraising. Ein Handbuch für die Praxis, Frankfurt 2008.

Hohn, Bettina: Internet-Marketing und -Fundraising für NPO`s, Wiesbaden 2001.

Rosegger, Hans; Helga Schneider; Hans-Josef Hönig: Database Fundraising: Wie sie ihr Fundraising zum Erfolg führen, Ettlingen 2000.

Urselmann, Michael: Fundraising - Erfolgreiche Strategien führender Nonprofit-Organisationen, Bern 2002.

Powered by Etomite CMS.