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Medienbranche und Journalismus
Autor: Sebastian Thiele
Kontakt: berufe_fuer_historiker@yahoo.de
Letzte Änderung: Mai 2010
Anforderungen an Journalisten
Ausbildungsweg Volontariat & Journalistenschulen
Berufsprofil Journalist
Chancen
Wissenschaftsjournalismus für Historiker
Chancen als Wissenschaftsjournalist
Arbeit in einer PR-Abteilung
Fernseh / TV-Produktion: Producer und Drehbuchautoren
Multimedia
Weblinks
Literaturhinweise
„Was mit Medien..." Das ist eine der meist gehörten Antworten eines Historikers auf die Frage nach dem späteren Berufsziel. Die etwas unpräzise Antwort ist nicht unberechtigt: Die Medienbranche ist ein klassischer Berufsbereich für Geisteswissenschaftler.
Anforderungen an Journalisten
Die stilsichere Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift ist für den Beruf des Journalisten elementar. Darüber hinaus sollte man kommunikationsstark und kontaktfreudig sein. Eine Phase der Selbstständigkeit bzw. der freien Mitarbeit - auch über längere Zeiträume - kann auf jeden Journalisten zukommen, zumal auf Berufseinsteiger. Wer journalistisch arbeiten möchte, sollte daher überprüfen, ob man selbst eine Persönlichkeit ist, die effizient selbstständig arbeiten kann.
Ausbildungsweg Volontariat & Journalistenschulen
Journalismus ist kein Beruf, den Historiker anstreben sollten, ohne praktische Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt zu haben. Wer sich für diesen Beruf interessiert, sollte sobald wie möglich mit dem Schreiben beginnen. Bei Bewerbungsgesprächen müssen Arbeitsproben vorgelegt werden. Chefredakteuren ist es wichtig zu erkennen, dass die Bewerber frühzeitig auf eine berufliche Tätigkeit als Journalist hingearbeitet haben.
Aufgrund der starken Nachfrage sollten sich angehende Journalisten orts- und branchenflexibel (Print, Hörfunk, TV, Online) bundesweit um verschiedenste Ausbildungen bewerben. Ein späterer Wechsel in einen anderen Medienbereich ist damit nicht verbaut.
Der klassische und beliebteste Einstieg in den Journalismus ist das Volontariat, bei dem alle Abteilungen des jeweiligen Unternehmens durchlaufen werden. Es dauert zwischen 12 und 24 Monaten. Oft erhöht eine vorherige freie Mitarbeit oder ein Praktikum beim jeweiligen Arbeitgeber die Chance auf das Volontariat ungemein. Volontariatsplätze sind in Deutschland heiß begehrt.
Prestigeträchtige Ausbildungsstätten in Deutschland sind die Journalistenschulen (Vgl. Weblinks), die eine kompakte Ausbildung in bis zu zwei Jahren anbieten. Aber auch erfolgreiche Absolventen der Journalistenschulen haben nach der Ausbildung keinen festen Vertrag in der Tasche. Zudem sollte man bedenken, dass die Schulen in aller Regel sehr restriktive Altersgrenzen haben und mitunter weniger Schreibpraxis bieten als das klassische Volontariat.
Als Alternative kommen auch Journalismus-Aufbaustudiengänge in Betracht. Eine Auflistung von Aufbaustudiengängen und Akademien findet sich bei der Kurs Datenbank der Arbeitsagentur (Stichwort: Journalismus oder Redakteur).
Berufsprofil Journalist
Allgemein kann man zwischen Journalisten, die auf Honorarbasis arbeiten, und fest angestellten Redakteuren unterscheiden. In der Regel haben Redakteure einen unbefristeten Vertrag, "verwalten" mitunter aber mehr die eingeschickten Beiträge der freien Journalisten, anstatt selber Artikel zu schreiben. Insgesamt gibt es im Berufsfeld Journalismus einen starken Trend zur freien Mitarbeit.
Angehende Journalisten sollten eine Bereitschaft zu Überstunden mitbringen. Die Arbeit beginnt zwar üblicherweise später am Vormittag, zieht sich aber oft bis in die Abendstunden hinein. Neben den festen Terminen und Aufträgen gilt es eigenständig Themen zu finden und diese weiter zu verfolgen. Diese müssen auf täglichen Konferenzen gegenüber Kollegen durchgesetzt werden, d. h. ein gutes Stück Überzeugungsarbeit ist für eigene Themen zu leisten.
Die Nähe zur Gemeindepolitik und viele persönliche Kontakte sind positive Begleitaspekte der Arbeit im Lokaljournalismus. Befriedigend ist sicher auch, dass das Geschriebene rasch publiziert wird.
Die Termindichte ist sehr hoch. Oft weiß man zu Arbeitsbeginn nicht, was im Laufe des Tages noch auf einen zukommt. Die Arbeit unter Zeitdruck macht es zur notwendigen Bedingung, dass man schnell und gut schreiben kann.
Chancen
Im Vorstellungsgespräch mit dem Chefredakteur zählt in erster Linie, ob man das "Handwerk Schreiben" erlernt hat und dies mit Arbeitsproben unter Beweis stellen kann. Wenn der Chefredakteur aber nicht unbedingt eine Affinität zur Geschichtswissenschaft hat, wird man nicht primär wegen seines Fachstudiums eingestellt. Allerdings verfügen Geschichtsstudenten tendenziell über eine überdurchschnittliche Allgemeinbildung und haben durch Hausarbeits- und Referatserfahrungen ein Gefühl dafür gewonnen, wann die Recherche abgeschlossen werden kann.
Journalismus ist ein sprachgebundener Beruf. Das heißt, deutschsprachige Journalisten sind auf den Arbeitsmarkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz beschränkt. Es sei denn, man beherrscht eine andere Sprache tatsächlich so ausgezeichnet, dass man gegen die Konkurrenz im nicht-deutschsprachigen Ausland bestehen kann.
Häufig gelingt der Einstieg über Honorarbasis, d. h. die Selbstständigkeit. Hier herrscht v. a. ein starkes Überangebot im Printbereich. Dieses reduziert die Honorare. Von Vorteil für freie Journalisten ist es daher, zwischen den Medien wechseln zu können.
Wissenschaftsjournalismus für Historiker
Wissenschaftsjournalisten werten aktuelle Erkenntnisse der Forschung kritisch aus und stellen diese publizistisch dar. Dabei kommt es auf eine Schlüsselqualifikation an: die wissenschaftlichen Inhalte sind so darzustellen, dass sie auch ein Leser ohne besondere Vorkenntnisse sofort versteht. Aber die Konkurrenz ist groß. Den Redaktionen steht meist eine große Auswahl von Beiträgen zur Verfügung, so dass das eigene Thema immer auch „verkauft" werden muss.
Das sind keine leichten Aufgaben und daher finden Fachfremde, insbesondere beim kritischen Umgang mit Forschungsergebnissen, oft keinen Zugang. Wissenschaftsjournalismus ist eine Spezialdisziplin. In der Regel wird ein Gegenstand bearbeitet, der im Studium behandelt wurde. In Deutschland ist dies primär eine Domäne der Naturwissenschaftler. Zum Beispiel ist an der Uni Dortmund für den Bachelor zum Wissenschaftsjournalist neben der journalistischen Ausbildung ein zweiter naturwissenschaftlicher Studienblock vorgesehen. Für Geisteswissenschaftler sind die Stellen vergleichsweise rar gesät. Historiker haben jedoch zwei Möglichkeiten, sich trotzdem in diesem Bereich zu etablieren. Es besteht die Möglichkeit, über ein naturwissenschaftliches Nebenfach Fuß zu fassen oder - zugegeben eine aufwendige Variante - sich z.B. intensive Kenntnisse der Biologie nach oder während des Studiums anzueignen.
Abzugrenzen vom Wissenschaftsjournalismus ist der „Wissensjournalismus". Hier ist der eigene wissenschaftliche Background nicht so entscheidend.
Der ideale Wissenschaftsjournalist ist nicht der Wissenschaftler, der mangels Karrierechancen an der Universität auf einen anderen Beruf umsattelt. Journalismus ist kein Ausweichberuf, sondern sollte klares Berufsziel sein. Daher ist der Absolvent eines naturwissenschaftlichen Studiums, der immer schon schreiben wollte und dies auch während des Studiums praktiziert hat, der geeignetere Wissenschaftsjournalist.
Chancen als Wissenschaftsjournalist
Es gibt eine konstante Nachfrage nach wissenschaftsjournalistischen Themen.
Fachzeitschriften stellen einen überschaubaren Bereich dar, der jedoch spezifische Besonderheiten hat: Nur bei Fachzeitschriften ist eine Promotion sehr sinnvoll, in anderen journalistischen Arbeitsfeldern stört sie nicht, bringt aber auch keinen weiteren Vorteil. Ferner richten sich hier die Artikel an ein wissenschaftliches Publikum.
Im Vergleich zum Printmedium zahlen Fernseh und Hörfunk weitaus höhere Honorare für angenommene Beiträge.
Führt die Stellensuche nicht zum gewünschten Erfolg oder möchte man nicht selbstständig tätig sein, besteht die Möglichkeit, z. B. in der PR-Abteilung einer wissenschaftlichen Einrichtung (Bereich Wissenschaftskommunikation) zu arbeiten.
Arbeit in einer PR-Abteilung
Public Relations bedeutet die Beziehungspflege zur Öffentlichkeit. Keine Partei, Organisation, wichtige Einzelperson, kein Verband oder Unternehmen kann noch auf Öffentlichkeitsarbeit verzichten. PR-Fachleute schreiben Pressemitteilungen, pflegen den Kontakt zu Journalisten und sind für die öffentliche Darstellung der jeweiligen Institution oder Person verantwortlich. Neben den Unternehmensabteilungen und den großen Agenturen gibt es zahlreiche selbstständige PR-Berater.
Es gibt keine spezifische Ausbildung zum PR-Fachmann. Fortbildungskurse können den Einstieg zwar erleichtern, es kommt aber eher auf die journalistische Erfahrung und eigene Kontakte an.
Fernseh / TV-Produktion: Producer und Drehbuchautoren
Neben den Betätigungsfeldern bei Fernsehsendern gibt es Jobchancen in zahlreichen Produktionsfirmen und -agenturen. Dabei haben sich zwei Berufe herauskristallisiert, die für Historiker interessant sein könnten. Zum einen der Producer, der die Idee zu einem Film oder einem neuen Programmformat verwirklicht. Neben der inhaltlichen Betreuung muss dabei auch die Kostenseite im Blick gehalten werden. Viele absolvieren zuerst ein Volontariat bei einem Fernsehsender oder einer Produktionsfirma, um in einem zweiten Schritt ins Producing einzusteigen.
Zum anderen besteht die Chance, Drehbuchautor zu werden. Einsteiger können bei Daily- oder Weekly-Soaps, deren Produzenten oft nach jungen Drehbuchautoren suchen, erste praktische Erfahrungen sammeln. Wie man ein Drehbuch schreibt, kann man in einem Workshop lernen - wie man ein gutes Drehbuch schreibt, jedoch nicht. Hierfür ist Talent (Sprachwitz und -gefühl) und Lebenserfahrung notwendig. Hochschulabschlüsse kommen bei Drehbuchschreibern jedoch sehr häufig vor.
Multimedia
Multimedia-Unternehmen haben sich auf die Multimediaproduktion- bzw. Dienstleistung spezialisiert (also nicht die Tageszeitung mit Online-Präsenz).
Eine Multimedia-Agentur umfasst grob vier Tätigkeitsbereiche: Konzeption, Projektmanagement, Bildschirmdesign und Programmierung. Standen früher meist spektakuläre technische Effekte im Vordergrund, so werden heute hochwertige Inhalte betont. Design und Programmierung erfordern weiterhin technisches Spezialwissen. Aufgrund der oben beschriebenen Entwicklung können Historiker aber im Bereich Konzeption Fuß fassen. Das Projektmanagement ist weitgehend von Wirtschaftswissenschaftlern besetzt. Der „Multimedia-Konzeptionierer" erarbeitet zusammen mit dem Kunden ein Konzept, das die Grundlage der weiteren Arbeit bildet. Er schreibt beispielsweise auch Texte für die Internet-Präsenz oder für CD-ROMs. Dies erfordert kommunikative und dramaturgische Fähigkeiten. Selbst programmieren muss man nicht können, Konzeptionierer sollten aber im Gespräch mit dem Auftraggeber genau wissen, was technisch machbar ist und was nicht.
AIM: Ausbildung in Medienberufen
Bundesverband deutscher Zeitungsverleger
Deutscher Fachjournalisten-Verband
Deutscher Journalisten Verband
Übersicht über Aufbaustudiengänge Journalismus - Journalismus.com
ifp - Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V.; die katholische Kirche ist Träger dieser Journalistenschule
Das Drehbuchcamp - eine regelmäßig in Freiburg i.Br. und Wiesbaden stattfindende Veranstaltung der ARD.ZDF Medienakademie, der Filmförderung Baden-Württemberg und der Hessischen Filmförderung.
Verband Deutscher Drehbuchautoren
Weblinks Wissenschaftsjournalismus
Infoseite des Arbeitsbereiches Wissenschaftsjournalismus der Freien Universität Berlin
Wissenschafts-Pressekonferenz e.V. - Verband der Wissenschaftsjournalisten in Deutschland
Wissenschaftsjournalismus an der Hochschule Darmstadt
Kaiser, Ulrike: Journalist/in werden? Ausbildungsgänge und Berufschancen im Journalismus, 2005.
Kritzenberger, Huberta: Medienberufe: Der erfolgreiche Weg zum Ziel. Voraussetzungen, Wege, Anforderungen, Berlin 2006.