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Strategische Unternehmensberatung als Arbeitsfeld für Historiker

Autor: Sebastian Thiele
Kontakt: berufe_fuer_historiker@yahoo.de
Letzte Änderung: Mai 2010

 

Vortrag - © Yuri Arcurs – Fotolia.com

Anforderungen

Sebastian Schmidt-Hofner, Historiker und von 2004 bis 2006 Unternehmensberater, bringt die Anforderungen bei großen Unternehmensberatungsgesellschaften prägnant zum Ausdruck: "Jung, mobil, international orientiert - diese drei Eigenschaften sollten Studenten für eine Tätigkeit bei einer Unternehmensberatung in erster Linie mitbringen."

Das geschichtswissenschaftliche Fachwissen spielt bei einer beruflichen Tätigkeit als Mitarbeiter einer großen Unternehmensberatungsgesellschaft, die Strategieberatung anbietet, keine Rolle. Trotzdem sind exzellente Noten eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung bei einer Unternehmensberatung. Erwartet werden auch sehr gute Englisch- und ggf. weitere Sprachkenntnisse, Auslandserfahrung und einschlägige Praktika. Ein grundlegendes Verständnis für betriebs- und volkswirtschaftliche Zusammenhänge ist ebenfalls ein Vorteil. Darüber hinaus sollte der Bewerber deutlich unter 30 Jahre alt sein. Geisteswissenschaftler haben dann eine Chance, wenn sie nachweisbar auf ihr analytisches Denkvermögen, ihre geistige Flexibilität, die andere Möglichkeiten zur Problemlösung eröffnet, und vor allem ihre kommunikative Stärken verweisen können.

Eine Journalistin, die bei einer deutschen Beratungsgesellschaft ein Bewerbungsverfahren komplett absolviert hat, berichtet darüber in einem spannend zu lesenden Kapitel in der Monographie von Thomas Leif (S. 96-146, vgl. Literaturhinweise).

Historiker und Unternehmensberatung

Historiker und Consulting: Passt das zusammen? Die wirtschaftliche Beratung von Unternehmen hat auf den ersten Blick nichts mit Geschichtswissenschaft zu tun. Auch wenn manche Unternehmensberatungen "Quereinsteiger" umwerben: Der Personalgrundstock der Branche rekrutiert sich immer noch hauptsächlich aus Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern. Dennoch haben bei einigen großen Unternehmensberatungen bis zu 50% der Mitarbeiter keinen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund, mitunter sind bis zu 10% Geisteswissenschaftler.

Insbesondere aus drei Gründen haben Historiker Chancen in der Unternehmensberatung.

- Erstens ist Unternehmensberatung überall gefragtm, auch in Schulen, Krankenhäusern, Parteizentralen, Kirchen und Rathäusern. Daraus ergeben sich z. B. Chancen für Medizintechniker, Politologen und eben auch für Historiker. Geisteswissenschaftler haben (im Magisterstudiengang) zudem meist zwei oder drei Fächer studiert und besitzen somit Zugang zu unterschiedlichen Branchen und können auf Augenhöhe mit dem Kunden kommunizieren.

- Zweitens ist die Arbeitsweise in einer Unternehmensberatung projektbezogen, analytisch geprägt und teamorientiert. Letztendlich sieht der Uni-Alltag eines Historikers ähnlich aus. Die selbst gewählte Fragestellung für die Hausarbeit muss den Professor überzeugen und die Arbeit sollte in der zur Verfügung stehenden Zeit fertiggestellt werden. Auch in jedem Referat kommt es darauf an, eine zweckmäßige Fragestellung zu entwickeln und zusammen im Team ein Ergebnis zu präsentieren, das die Seminarteilnehmer überzeugt.

- Drittens sind es typisch geisteswissenschaftliche Schlüsselfähigkeiten, nämlich soziale Kompetenzen und Kommunikationsstärke, die bei der Arbeit eines Consultant wichtig sind. Denn in der Unternehmensberatung scheitern Projekte eben nicht nur wegen möglicher fachlicher Mängel. Genauso kommt es darauf an, eine zielgerichtete Gestaltung und Steuerung des jeweiligen Projektes zu gewährleisten.

Insgesamt sollten Historiker aber nicht zu hohe Erwartungen haben. Die Süddeutsche Zeitung (Consulting-Beilage, 18.11.2006) gab die Anzahl geisteswissenschaftlicher Berater etwa bei Roland Berger mit 5% an.

Die Unternehmensberatungsbranche hat sich mittlerweile erheblich ausdifferenziert. Es gibt Unternehmen, die sich entweder auf eine bestimmte Branche oder einen fachlichen Bereich (insbesondere IT) fokussiert haben. Für Historiker sind jedoch tendenziell eher die großen Unternehmensberatungen relevant, die grundsätzliche unternehmerische Problemstellungen für das Management des Auftraggebers bearbeiten, also Strategieberatung anbieten.

Ein Tätigkeit bei einer Unternehmensberatung hat einige deutliche Vorzüge. Die Einstiegsgehälter sind sehr hoch, der berufliche Aufstieg kann sehr zügig erfolgen und die persönlichen Fähigkeiten und Kenntnisse nehmen rasant zu. Vielfach wird eine Tätigkeit bei einer Unternehmensberatung, insbesondere zu Beginn des Berufslebens, zum "Karrieresprungbrett". Doch die Privilegien haben auch ihren Preis. Die Karriere in einer Unternehmensberatung erfolgt nach dem Prinzip „grow or go", d. h. der Aufstieg und der evtl. Ausstieg verlaufen relativ schnell. Die Personalfluktuation ist daher hoch. Die Mitarbeiter müssen sich zeitlich stark engagieren und sehr häufig (je nach Schwerpunkt auch ins Ausland) verreisen.

Weitere verwandte Artikel auf BfH.de: Interview mit Sebastian Schmidt-Hofner, 2004-2006 Unternehemnsberater bei Theron Business Consulting

Weblinks

Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (u. a. mit einer Beraterdatenbank)

Bundesverband studentischer Unternehmensberatungen

Literaturhinweise

Forum Verlag (Hrsg.): Praxis konkret. Berufsstart Consulting, 2000.

Hartenstein et al.: Karriere machen. Der Weg in die Unternehmensberatung 2008/2009, Wiesbaden 2008.

Leif, Thomas: Beraten und verkauft. McKinsey & Co. - der große Bluff der Unternehmensberater, München 2006.

Raff; Brauer (Hrsg.): Berufsziel Unternehmensberater. Berufszugang. Tätigkeitsbereiche. Perspektiven, Sternenfels 2006.

Staufenbiel; Friedenberger: Karriere Inside: Consulting. Die wichtigsten Unternehmen für Bewerber, Köln 2004.

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